Hier ist dringend ein Nachtrag nötig und ja, ich weiß, dass es Alessandro Petacchi auf dem Foto ist, sein Grünes Trikot finde ich schlicht erstaunlicher als den Triumph Contadors.
Wer hatte eigentlich diese Suppe in die Pyrenäen bestellt? Man konnte teilweise ja gar nichts mehr sehen. Im Nebel probierte Andy Schleck dann alles, um noch eine Chance auf den Gesamtsieg zu haben oder wenigstens noch einmal in das Gelbe Trikot zu fahren, aber Alberto Contador klebte an seinem Hinterrad bis zur Ziellinie. Am Ende war er so fair, Andy Schleck nicht mehr zu überholen, nachdem dieser die letzten 10km vorne gefahren war. Das nennt man wohl Wiedergutmachung.
Und was ist noch anzumerken? Richtig, Andy Schleck gewinnt damit das Weiße Trikot zum dritten Mal in Folge, eine Siegesserie, die zuletzt wem gelang? Richtig, Jan Ullrich war’s!
Die Strecke über Peyresourde, Aspin, Tourmalet und Aubisque war ohne Zweifel die schönste Etappe der diesjährigen Tour de France. Wer sich die Fahrt über die vier legendären Pyrenäen-Pässe aufgezeichnet hat, wird sicher noch viel Freude mit der Aufnahme haben und viele Details entdecken. Eigentlich war doch nur das Ziel zu weit weg vom letzten Pass, für eine lange Solo-Flucht fehlen einfach Fahrer wie Merckx, Landis (inklusive Pflaster) oder Rasmussen. Interessanterweise hieß der Sieger der Fahrt über den Tourmalet auch dieses Jahr Pierrick Fedrigo, hat er sich jetzt auf diese Art der Pyrenäen-Etappen spezialisiert?
Hat sich Alberto Contador mit der heutigen Attacke wirklich einen Gefallen getan? Hat ihn die Angst getrieben, dass er die Tour nicht mehr gewinnen könnte? Achtung, es gilt jetzt Alberto Contador zum Toursieger der Herzen zu erklären, nicht etwa Andy Schleck, denn dann gewinnt er sie garantiert nicht.
Ich muss morgen mal sammeln, was die Presse dazu so schreibt…
Oder war es am Ende vielleicht doch kein Defekt, sondern ein schlichtes Verschalten? Dieses Foto soll die extreme Diagonale belegen, doch wie das komplette Bild zeigt, ist es schon einen Moment später, als Schleck zu retten versucht, was nicht zu retten war.
Aber noch schlimmer hat es eigentlich Nicolas Roche getroffen…
Die Tour de France 2010 erreicht die Pyrenäen und der erste Tag mit der Bergankunft in Ax-3-Domaines (Höhenprofil Ax 3-Domaines, früher Ax Bonascre) bot ein tolles Finale, das Christophe Riblon als Ausreißer für sich entscheiden konnte. Im Gegensatz zu Georg Totschnig vor fünf Jahren, dachte er auch daran, seinen Reißverschluss vor der Überquerung der Ziellinie zu schließen. Wie kann man eigentlich vergessen, sein Trikot zu schließen, insbesondere so ein wunderschönes wie das von Gerolsteiner?
Ungewohnte Bilder auch dahinter, Alberto Contador und Andy Schleck fuhren als wäre es ein Bahnrennen und die Zuschauer erlebten Stehversuche, völlig unbeeindruckt von der Fahrweise der Konkurrenten. Dennis Menchov nutzte die Fluchmöglichkeit, konnte am Ende gegen Olympiasieger Samuel Sanchez doch keine Sekunden gut machen – das sah zwischendurch eigentlich nicht schlecht aus…
Mehr zum Duell Contador gegen Schleck gibt es bei spiegel.de und faz.net, wo auch ein zentraler Unterschied zwischen den beiden verbliebenen Anwärtern auf den Toursieg erwähnt wird:
Contador ist ein introvertierter Mann, bei öffentlichen Auftritten redet er selten Klartext. Er äußert sich dabei auch nur auf Spanisch. Schleck dagegen beherrscht mehrere Sprachen, er ist eloquent und der freundlichen Plauderei sehr zugetan.
Nein, Nordic Cycling ist kein neuer Trendsport – auch wenn sich irgendwann vermutlich jemand was ausdenkt, wie man die Stöcke auf dem Rennrad benutzt (Sprint-Finale?) – liegt dennoch voll im Trend. Seit Jahren fährt Thor Hushovd um das Grüne Trikot mit und dann ist da noch Edvald Boasson Hagen, der sich anschickt, seine Nachfolge anzutreten. Es gibt also tatsächlich Norweger, die sich für das Rennrad anstelle von Langlauf oder Skispringen entschieden haben – wer hätte das gedacht?
Heute auf der Hausstrecke lag plötzlich – ‘ne Stunde vorher war er noch nicht da – ein Ast quer auf dem Deich und ich musste auf den abschüssigen Rasen ausweichen. Natürlich blieb ich hängen und schmiss mich ins Gras. Und dann habe ich mich drei Minuten hin und her gewälzt und eine Karte gefordert… aber das Stück Baum wurde nicht des Feldes verwiesen.