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Kartenhäuser in der Sportlandschaft

Der Trainer schrob die Tage über ein angebliches neues deutsches Nationalmannschaftstrikot und erwähnte ganz nebenbei den Zusammenfall des Kartenhauses Radsport. Natürlich habe ich sofort eingeworfen, dass dieser Zusammenfall nur den deutschen Radsport betrifft, denn bei dem Thema fallen zwei scheinbar urdeutsche Eigenarten zusammen: Ist Deutschland nicht vertreten, interessiert sich keine Sau für die Ereignisse (UN-Sicherheitsrat vielleicht als Ausnahmen, aber auch da sind deutsche Politiker am Ball. haha!) Und wenn die Deutschen etwas machen, dann immer besonders gut und besonders gründlich. Denn wie hieß es schon zu Kaiserszeiten, am deutschen Wesen soll die Welt genesen. Bis heute ein super Plan.

Also niemand interessiert sich mehr für den Radsport. Und die Ursache ist natürlich monokausal, Jan Ullrich ist alles schuld. Wie einst Didi Thurau sorgte er für plötzliches allgemeines Interesse am Radsport und mit seinem Ausscheiden von/vor der Tour 2006 brach es weg. Fortan diente er Medien, Politikern und Dopingjägern nur noch als Kuh die gemolken werden musste um Aufmerksamkeit auf sich zu richten und/oder als Zielscheibe. Das passiert nur in Deutschland, in Italien und Frankreich sind Pantani und Virenque bis heute Volkshelden, aber hierzulande ist solche Verehrung nicht drin. (Die einzige Ausnahme bestünde jetzt in einem Vergleich, der sich stets verbietet.)

Der Fall Fignon zeigt meines Erachtens, denn ich will Doping nicht schönreden, es ist leider Bestandteil jeden Sports, dass es einzig Ärzte sein sollten, die sich zu diesem Thema wegen der gesundheitlichen Risiken äußern sollten. Doch dieser Aspekt deutscher Eigenart scheint mir den geringeren Anteil am Zusammenfall des Kartenhauses zu haben. Die ganzen Schummel-Schumi- Vorwürfe haben seinem Bild in der Öffentlichkeit auch höchstens kurz geschadet.

Üblicherweise – und vermutlich nicht allein hier – bricht das Interesse der breiten Öffentlichkeit an einer Sportart völlig weg, sobald deutsche Athleten dort nicht mehr aussichtsreich vertreten sind. Erinnert sich noch jemand an Tennis? Die Jagd nach der kleinen Filzkugel? Einst das Metier Boris Becker, bevor dieser sich nur noch als Lieferant von Schlagzeilen für die Klatschpresse betätigte? Oder Skispringen, groß durch Martin Schmitt und Sven Hannawald und jetzt vergessen? (Ich bewundere Schmitt übrigens dafür, dass er nie hingeworfen hat.) Und ich vermute, irgendwann werde ich es auch recherchieren, dass die Einschaltquoten der Formel 1 seit Schumis Rücktritt auch nicht mehr dieselben sind. Einzig der Fußball scheint dagegen gefeit, was ich aber nur der breiten Fanbasis auf Vereinsebene zuschreibe. Sollte Deutschland bei zwei, drei internationalen Turnieren hintereinander nicht mehr dabei sein, bleibt auch die Love-Parade… die Fan-Meile in Berlin leer. Natürlich ein anderes Niveau, aber ich postuliere die gleichen Symptome im Fall des Falles.

Warten wir also auf den nächsten herausragenden Radfahrer, wie wir auf den nächsten Titel der Fußball-Nationalmannschaft warten. Interessant, wie nah die letzten beiden Erfolge beisammen lagen!

P.S.: Trikots? Das 96er-Trikot mit der schönen Serifen-Schrift – selten im Sport – bleibt ungeschlagen edel und das Gerolsteiner-Trikot angenehm schlicht.

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